Presseartikel zum Thema Trinkwasser

Blei aus dem Wasserhahn

Auszug aus dem Fernsehbeitrag - [plusmnus, NDR, 9. August 2005

Was wir morgens mit dem Kaffee schlucken

Unser Trinkwasser ist das best geprüfte Lebensmittel. Damit werben die Wasserversorger – für den Genuss von Leitungswasser. Alte Bleirohre geben Schwermetall ans Wasser ab. Nach Recherche von Plusminus können jedoch auch moderne Armaturen Trinkwasser vergiften.

In einer Stichprobe, die Plusminus in Auftrag gab, kam heraus, dass handelsübliche Armaturen Blei an das Leitungswasser abgeben, preisgünstige ebenso wie hochwertige. Vor allem dann, wenn das Wasser über längere Zeit in der Armatur steht – zum Beispiel über Nacht. Zum Teil lagen die Messergebnisse über den bestehenden Blei-Grenzwerten: Nach der Trinkwasserverordnung dürfen derzeit maximal 25 Mikrogramm Blei pro Liter Trinkwasser enthalten sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sogar einen Wert von 10 Mikrogramm je Liter, der bei uns ab 2013 gelten soll.

Blei - Eine Gefahr für die Gesundheit

Umweltmediziner warnen: Hohe Bleibelastung können zu Blutbildschäden führen, zu Nierenstörungen und zu Störungen des Zentralen Nervensystems. Besonders gefährdet sind Kinder, weil sie eine höhere Aufnahmefähigkeit für Blei haben, etwa das Fünffache eines Erwachsenen. Eine Risikogruppe sind darüber hinaus Schwangere.

Prüfmethoden

Plusminus fragt: Warum ist das noch niemandem aufgefallen?

Schließlich misst auch das Umweltbundesamt den Bleigehalt im Trinkwasser von Armaturen. Die Methode heißt "gestaffelte Stagnationsbeprobung". Dabei wird das Wasser aus der Armatur laufen gelassen, bis es eine konstante Temperatur hat. 60 bis 80 Liter laufen in den Ausguss, erst dann wird eine Probe genommen. Anschließend wird der Wasserhahn versiegelt und vier Stunden unberührt stehen gelassen. Dann wird erneut ein Liter Wasser entnommen (2. Probe, S1) und danach noch ein Liter (3. Probe, S2). Die zweite Probe soll Aufschluss über die Bleibelastung geben, die von der Armatur in das Trinkwasser abgegeben wird.

Testet man nach diesem Verfahren, werden selbst die Grenzwerte der WHO meistens eingehalten. Im Test einer Armatur durch Plusminus wurde ein Wert von 9,2 Mikrogramm erreicht.

Diese Methode hat aber wenig damit zu tun, wie Verbraucher im Alltag einen Wasserhahn benutzen. Abends nimmt sich der Verbraucher vielleicht noch ein, zwei Liter Leitungswasser für die Zubereitung eines Tees. Keine 60 bis 80 Liter. Und über Nacht geht niemand an den Wasserhahn.

Plusminus hat dieselbe Armatur daher auch nach folgendem Verfahren getestet: Wir lassen denselben Wasserhahn abends versiegeln, nachdem wir einen Liter abgezapft haben. Elf Stunden bleibt die Armatur unberührt, dann nehmen wir am nächsten Morgen eine Probe. Das Ergebnis liegt mit 26 Mikrogramm über dem Blei-Grenzwert.

Prüfzeichen und Verordnungen

Von der Innung Sanitär Heizung Klempner erfahren wir: Blei hat Vorteile bei der Herstellung. Die Armatur lässt sich besser formen, fräsen und bearbeiten. Steht das Wasser länger in der Armatur, wird Blei als Bestandteil von Messing im Gehäuse der Armatur abgegeben. Das gilt sowohl für preiswerte Armaturen als auch für teure. Und auch von der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) zertifizierte Wasserhähne können Blei ans Trinkwasser abgeben.

Fazit: Keine Verordnung, kein Prüfzeichen, keine Kontrolle schützt den Verbraucher umfassend vor Blei aus Armaturen im Trinkwasser. Er kann sich nur selbst helfen – indem er vor dem Trinken Wasser ablaufen lässt. Vor allem, wenn die Armatur länger unbenutzt steht.

Autorin: Dorina Rechter

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 09.08.05 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Norddeutscher Rundfunk
[plusminus

Hugh-Greene-Weg 1
22504 Hamburg
Tel: 040 / 4156-4825
plusminus@ndr.de

 

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